Komitat Komarom-Esztergom

Daten mit Stand 1998

Bevölkerung:                311.000 Einwohner

Gebiet:                            2.250 km2

Bevölkerungsdichte:   138 Personen/km2

Komitatssitz:                 Tatabánya (72.200 Einwohner)

Lage:
Das Komitat liegt im nördlichen Teil von Transdanubien, grenzt etwa 100 km lang an die Donau, die zugleich auch die Staatsgrenze zur Slowakischen Republik bildet. Das Gebiet des Komitates wurde nach Trianon (1920) durch die Vereinigung der historischen Komitate Komárom und Esztergom gebildet. Für seine Höhenverhältnisse sind niedrige Mittelgebirge charakteristisch, es liegt durchschnittlich 200 - 250 m über dem Meeresspiegel. Wichtige Verkehrswege und Bahnlinien führen durch sein Gebiet (Budapest - Wien, Budapest - Bratislava).
Es gibt im Komitat 72 Siedlungen, unter ihnen 8 Städte.

Politische Einrichtung:
Ein gewählter Vorsitzender steht an der Spitze der Gemeindevertretung des Komitates, er leitet mittels eines Magistratsnotars die Komitatsverwaltung.

Die Komitatsvertretung besteht aus 40 gewählten Abgeordneten, ihre Amtszeit beträgt 4 Jahre. Mit den einzelnen Problemkreisen beschäftigen sich die gewählten Ausschüsse der Gemeindevertretung, an ihrer Spitze steht je ein gewählter Amtsvorsteher (Wirtschafts-, Kultur-, Umweltschutzausschüsse, Ausschüsse für die nationalen Minderheiten, für die internationalen Beziehungen usw.).

Wirtschaft
Im Komitat Komárom-Esztergom war das Bruttoinlandsprodukt (GDP) 187 Mrd. HUF, d.h., 600.000 HUF/Person. Obwohl dies den Landesdurchnitt nicht erreicht, liegt es über den ohne Budapest berechneten Provinzialdurchschnitt, erreicht jedoch nicht den Wert der beiden mittel-transdanubischen Komitate und steht weiter hinter den Komitaten der west-transdanubischen Gegend zurück:

Komitat Komárom:                            600.000 HUF/Person
Mittel-Transdanubien
   (Komárom, Fejer, Veszprem)         613.000 HUF/Person
West-Transdanubien                          703.000 HUF/Person
Budapest                                          1251.000 HUF/Person
Land                                                   672.000 HUF/Person

Obwohl das Verhältnis unter den einzelnen Sektoren (Primär, Sekundär, Tertiär) im Vergleich zu den Werten der 70er- und 80er-Jahre gleichmässiger wurde, sind aber die direkten Produktionszweige (Industrie und Landwirtschaft) auch weiterhin massgebend. Darüber gibt es keine statistische Gebietsangabe, nur approximative, aber diese ist zum Vergleich nicht anwendbar.

Landwirtschaftlich genutzte Fläche (Stand 1998)
61 % des Komitatsgebietes wird landwirtschaftich bewirtschaftet, 89 % sind urbares Land.
Aus dem bewirtschafteten 134.000 ha Gebiet ist

auf dem übrigen Teil sind Obst-, Wein- und Gemüsegärten.
28 % des ganzen Gebietes sind mit Wald bedeckt.

37 % des bewirtschafteten Gebietes sind landwirtschaftliche Gesellschaften, 18 % Agrargenossenschaften und 45 % private Bauernhöfe.

Die Zahl sowohl der registrierten als auch der funktionierenden Gesellschaften nimmt kontinuierlich zu, aber bei den Privatunternehmen kann ein kleiner Rückgang im letzten Jahr festgestellt werden.

Stand 31.3.1998:

Rechtspersönliche Gesellschaftsunternehmen:
Stückzahl registriert:         4135, in % vom 31.3.1997: 115
Stückzahl funktionierend:  3304, in % vom 31.3.1997: 104,5

Gesellschaftsunternehmen ohne Rechtsperson:
Stückzahl registriert:         4669, in % vom 31.3.1997: 106,6
Stückzahl funktionierend:  4065, in % vom 31.3.1997: 104,3

Einzelunternehmer:
Stückzahl registriert:         17664, in % vom 31.3.1997: 97
Stückzahl funktionierend:  13669, in % vom 31.3.1997: 99,8

Nonprofit Organisation:
Stückzahl registriert:         1685, in % vom 31.3.1997: 107,7
Stückzahl funktionierend:  1685, in % vom 31.3.1997: 103,6

Insgesamt:
Stückzahl registriert:         28754, in % vom 31.3.1997: 111,4
Stückzahl funktionierend:  23323, in % vom 31.3.1997: 101,4

Innerhalb der funktionierenden Organisationen (23323) ist die Verteilung folgende:

                                                                        Insgesamt                Einzelunternehmer
Forst- und Landwirtschaft                                833                            564
Industrie                                                           2831                          1742
Bauindustrie                                                     2446                          1677
Handel                                                             5570                           3744
Unterkunft, Gasterei                                         1224                           868
Spedition, Post                                                 1385                          1017
Unterricht                                                         119                             220
Gesundheitswesen                                            549                             186
andere gemeinschaftliche Dienstleistungen      2816                           956

Weniger als 50 Personen werden von 23078 aus den allen funktionierenden Wirtschaftsorganisationen beschäftigt, also die Arbeitskonzentration ist sehr gering.

Achtung:
Die nachstehende Statistik gilt nur für einen Teil der im Komitat funktionierenden Organisationen. Die statistische Beobachtung verlangt nämlich Datenlieferung nur von den Unternehmen, die mehr als 50 Personen beschäftigen und von den staatlichen und Nonprofit Organisationen unabhängig von ihrem Personalstand.

In diesem Kreis sind die folgenden Angaben der 59,1 Tausend Beschäftigten im 1. Quartal 1998 gültig:
Forst- und Landwirtschaft                                   6,8 %                        Landeswert:   5,5 %
Industrie                                                            53,9 %                                            31,8 %
Bauwirtschaft                                                      0,8 %                                              2,1 %
Handel, Reparatur-Dienstleistung                       3,8 %                                              5,6 %
Verwaltung                                                          8,5 %                                            13,4 %
Unterricht                                                           10,3 %                                           10,6 %
Gesundheitswesen                                                9,8 %                                           10,6 %

In den letzten 3 Sektoren ist das Verhältnis trotz des Anscheines nicht schlechter (fast alle Beschäftigten arbeiten bei den beobachteten staatlichen Organisationen), weil der Spitzenwert von Budapest den höheren Landeswert verursacht. Also Komitat Komarom liegt auf dem Niveau des Provinzialdurchschnittes.

In der gleichen Zeitperiode war die Zahl der registrierten Arbeitslosen 14523, also sie liegt unter 5 % der Bevölkerung des Komitates.

Im Komitat, das früher eindeutig zu einem industriellen Komitat zählte und für ihren Kohlenbergbau und ihren Baustoffindustrie berühmt war, verursachte die Einstellung der Organisationen, die den Marktansprüchen nicht entsprechen konnten, große Spannungen. Mehrere Städte erkannten, dass die Ausgestaltung der Infrastruktur für Klein- und Mittelunternehmen die bedeutende Quelle der Wirtschaftsförderung ist. Zur Zeit haben die 3 Städte - Tatabanya, Orozslany, Esztergom - ein solches Gelände, das auch schon rechtlich als ein "Industriepark" qualifiziert werden kann, aber auch Dorog beschäftigt sich mit der Sache. Dadurch gelang es Tatabanya den bedeutendsten Gebieten des Landes in den letzten Jahren zu kommen. Alle drei erwähnten Städte können Gelände mit öffentlichen Werken für die Gründung von weiteren neuen Industriebetrieben zur Verfügung stellen, auch die nötige Arbeitskraft steht zur Verfügung. Darüber hinaus sind Kisber und ihre Umgebung für solche Industriebetriebe mit ein paar Hunderten von Beschäftigten empfangsfähig, die keine spezielle Infrastruktur und keinen speziellen beruflichen Anspruch benötigen.

Für die Ersetzung der eingestellten Schwerindustriebetriebe wurden Mittelbetriebe vor allem in Tatabanya un Esztergom als Neubau zustande gebracht, in deren hauptsächlich Einzelteile, Teilstücke hergestellt werden. Von denen ist die Autofabrik Suzuki in Esztergom am bekanntesten, die weitergebaut werden soll oder die Aluminium-Radscheibe-Fabrik in Tatabanya. Auf alle Fälle müssen die SCI Magyarorszag GmbH (Geräte für Datenübertragung), die Bowden GmbH (Autobestandteile), die Artesyn GmbH (Elektronikbestandteile), die BMH GmbH (Qualitätskontrolle von Monitormaske) in Tatabanya erwähnt werden.

Im allgemeinen ist charakteristisch, dass die neuen Betriebe mit Hilfe von ausländischem Kapital angelegt worden sind, von dieser Hinsicht sind einige Gebiete des Komitates für die Niederlassung des ausländischen Kapitals attraktiv.

Geschichte
Schon in der frühen Vorzeit war das Gebiet bewohnt. Spuren des 500.000 Jahre alten Vorzeitmenschen wurden hier gefunden. Aufgrund der günstigen geographisch-klimatischen Gegebenheiten ließen sich Skythen, Kelten und Römer nieder. Hier verlief der Limes, dessen Wachtürme in Spuren am Ufer der Donau noch auffindbar sind. Die Urungaren, die aus Asien kamen, fanden ungefähr um 900 auf diesem Gebiet - nach kleineren oder größeren Schlachten mit der Urbevölkerung - eine neue Heimat.
Sitz des Landesfürsten Geza wurde ab 970 Esztergom an der Donau, hier wurde im Jahre 1000 Stephan I., der von den Ungarn als der Begründer des Staates verehrt wird, gekrönt. Esztergom wurde ein religiöses Zentrum der das Heidentum langsam aufgebenden Ungarn, später die Hochburg des Katholizismus, heute ist es der Sitz des Kardinals-Fürsterzbischofs.
Die Türkeneroberungen schonten auch dieses Gebiet nicht: Die 150 Jahre lange Osmanenherrschaft nahm 1686 ein Ende.
Während des Rakoczi-Freiheitskampfes (1704 - 1711) wurde diese Gegend wieder zum Kriegsschauplatz. In die infolge der Kriegsverwüstung entvölkerten Gemeinden kamen im 18. Jhd. in größerer Anzahl deutsche, in kleiner Anzahl slowakische Ansiedler: Beide Nationalitäten bilden noch heute ein entscheidendes Element der Bevölkerung des Komitates.
Auch die Revolution und der Freiheitskampf von 1849 gingen am Komitat nicht vorüber: Die Burg von Komarom geriet wieder in die Kriegsberichte. Am Anfang des 20. Jhd. hatte sich die Struktur der Produktion im Komitat schon entfaltet, sie war durch den Bergbau und die Industrie bestimmt. Zur Zeit des zweiten Weltkrieges war beinahe die Hälfte der Arbeitnehmer in diesen zwei Branchen beschäftigt. In dem aus den Trümmern des Kriegs auflebenden Komitat ging die Industrialisierung - oft in gezwungenem Tempo - weiter. Komitatssitz wurde Tatabanya, die auf dem Bergbau basierende, aus 4 Gemeinden verwaltungsmässig vereinte "sozialistische" Stadt (heute eine selbständige Stadt mit Komitatsrecht).