Burgenland

Daten mit Stand 1998

Bevölkerung:                   270.880 Einwohner (Volkszählung: 1991)

Größe:                               3.966 km2

Bevölkerungsdichte:      68 Einwohner/km2

Landeshauptstadt:           Freistadt Eisenstadt

Lage:
Burgenland grenzt an Ungarn, die Slowakei und Slowenien sowie an die österreichischen Bundesländer Niederösterreich und Steiermark

Höchste Erhebung: Geschriebenstein (884 m)

Tiefster Punkt: 115 m

Politisches System:
Burgenland ist ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat und ein selbständiges Bundesland der demokratischen Republik Österreich. Es gründet auf der Freiheit und Würde des Menschen und schützt die Entfaltung seiner Bürger in einer gerechten Gesellschaft.
Die Staatsgewalt geht vom Volk aus. Sie wird vom Volk in Wahlen, Volksbegehren und Volksabstimmungen sowie durch seine verfassungsmäßig bestellten Vertretungsorgane ausgeübt.
Der Burgenländische Landtag ist das zentrale Gesetzgebungsorgan im parlamentarisch demokratischen System des Landes. Er besteht aus 36 Mitgliedern, die auf Grund einer allgemeinen, gleichen, unmittelbaren, geheimen, persönlichen Verhältniswahl vom Landesvolk gewählt werden. Die Funktionsperiode beträgt 5 Jahre. Der Burgenländische Landtag ist allein zuständig, Landesgesetze zu erlassen, er wählt die Mitglieder der Landesregierung und übt die finanzielle, rechtliche und politische Kontrolle der Landesvollziehung aus.
Die Landesregierung ist das oberste Vollzugsorgan in Angelegenheiten der Landesverwaltung. Die Landesregierung wird vom Landtag für die Dauer der Gesetzgebungsperiode gewählt und besteht aus dem Landeshauptmann, dem Landeshauptmann-Stellvertreter und fünf weiteren Mitgliedern.

Landeseinteilung (Stand: 1999):
2 Freistädte (Eisenstadt, Rust)
7 Bezirke (Neusiedl, Eisenstadt, Mattersburg, Oberpullendorf, Oberwart, Güssing, Jennersdorf)
171 Gemeinden
13 Stadtgemeinden und
57 Marktgemeinden

Wirtschaft (Stand: 1997):
Bruttoinlandsprodukt:         53.480,0 Mio. öS im Jahr 1997
Primär-Sektor:                      1.630,0 Mio. öS
Sekundär-Sektor:                17.010,0 Mio. öS
Tertiär-Sektor:                   34.840,0 Mio. öS

Landwirtschaftliche Fläche (Stand: 1998): 199.300 ha

Forstwirtschaftlich genutzte Fläche (Stand: 1998): 97.800 ha

Arbeitsplätze, davon unselbständig Beschäftigte (Stand: 1999):
Arbeitsplätze insgesamt:    ca. 95.000
davon unselbständig:               79.028

Geschichte
Das Burgenland war bis 1921 kein autonomes Land mit fest umrissenen Grenzen. Diese Tatsache erschwert eine sukzessive Gesamtschau des Ablaufes der historischen Ereignisse.

Die ersten menschlichen Spuren im heutigen Burgenland führen in das 8. Jahrhundert v. Chr. zurück. Funde im Raum des Neusiedler Sees belegen die Besiedlung in der Mittelsteinzeit, am bedeutendsten ist die Venus von Draßburg. Mit der Eingliederung der Donauländer in das römische Imperium begann für diese am Alpenostrand gelegene Landschaft die Geschichte im eigentlichen Sinn. In der Folge siedelten Awaren und Slawen bis zur Gründung der pannonischen Mark der Karolinger im 9. Jahrhundert. Nach der Festsetzung der Magyaren um 900 war die Grenze lange strittig. Im 11. Jahrhundert begann die deutsche Besiedlung, die das ganze Mittelalter hindurch andauerte.

Den Grenzschutz versahen neben deutschen Adeligen ungarische Grenzwächter. Bedeutend war die Tätigkeit der Zisterzienser. Vom 15. bis 17. Jahrhundert stand ein beträchtlicher Teil der Grundherrschaft unter habsburgischer Verwaltung. Das deutschsprachige Bauern- und Bürgertum hielt stets engste wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Österreich, dem das Gebiet 1526 mit der ungarischen Krone zugefallen war. Noch vor der Mitte des 16. Jahrhunderts bekannte sich ein Großteil der Bevölkerung zum Luthertum. Während der im 17. Jahrhundert einsetzenden Gegenreformation fiel den Familien Esterhazy und Batthyany erstmals eine bedeutende Rolle in diesem Gebiet zu, in dem sie später einen großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss hatten. Nach der Entvölkerung großer Landstriche durch die Türkenkriege wurden kroatische Bauern angesiedelt. Ende des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund der magyarischen Nationalitätenpolitik zu ersten Spannungen.
Im Friedensvertrag von St. Germain 1919 wurde Österreich der größte Teil der deutschsprachigen Gebiete der westungarischen Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg zugesprochen. 1921 wurde dieses Gebiet das österreichische Bundesland Burgenland, allerdings ohne die Stadt Ödenburg, die aufgrund einer Volksabstimmung bei Ungarn verblieb. In der nationalsozialistischen Zeit wurde das Burgenland auf Niederdonau (Niederösterreich) und die Steiermark aufgeteilt. 1945 erfolgt die Wiederherstellung der Landessouveränität, allerdings bis 1955 unter sowjetischer Besatzung. In den Sechziger- und Siebzigerjahren erlebte das Burgenland einen großen wirtschaftlichen Aufschwung und ist heute mit seiner Landeshauptstadt Eisenstadt ein selbstbewußtes österreichisches Bundesland, das nach Aufhebung des Eisernen Vorhanges wieder seine grenzüberschreitende Mittlerrolle inne hat.

Wichtige Projekte und Entwicklungen in den letzten fünf Jahren und für die nähere Zukunft:
Die geopolitischen Veränderungen der vergangenen Dekade - der Transformationsprozeß der mittel- und osteuropäischen Staaten, die Mitgliedschaft Österreichs im EWR, der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und nicht zuletzt die Anerkennung des Landes Burgenland als ein Ziel 1 - Gebiet - haben diese Regionen von einer Grenzlandlage ins dynamische Zentrum eines mitteleuropäischen Großraumes gerückt.

Diesen neuen Rahmenbedingungen und Herausforderungen ist bereits frühzeitig im Rahmen der Strukturförderung der EU in der Ziel 1 - Periode 1995 - 1999 Rechnung getragen worden.

Schwerpunkt dieser ersten Ziel 1 - Förderperiode war die Unterstützung des Landes Burgenlandes auf seinem Weg von einer benachteiligten Grenzregion zu einer zentraleuropäischen Region mit einer hohen Entwicklungsdynamik in den Bereichen Industrie/Gewerbe und Tourismus bei gleichzeitiger Sicherung der natürlichen Ressourcen und dem Schutz der Umwelt.

Die Erfolge dieser aufeinander abgestimmten Maßnahmen, die auch die Landwirtschaft in ihrer Umstellung von einer nationalen hin zu einer europäischen Agrarpolitik umfassten und die auch auf die Qualifizierung der Arbeitskräfte zur Unterstützung des Strukturwandels besonders Rücksicht nahmen, sind bemerkenswert.

Wirtschaftskraft, Arbeitsmarkt, Tourismus und Kaufkraft der Bevölkerung des Landes Burgenlandes konnten dadurch eine insgesamt überdurchschnittlich positive Entwicklung nehmen und der Abstand zum Durchschnitt aller Regionen der EU verringert werden.

Schon während dieser Periode wurde die Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rahmen der INTERREG II-Programme aktiv unterstützt und an allen drei Aussengrenzen des Landes Burgenlandes (Slowakei, Ungarn und Slowenien) wurden gemeinsame Projekte mit den benachbarten Regionen realisiert.

Durch die Bemühungen von Ungarn, Slowenien und der Slowakei um einen Beitritt zur Europäischen Union bekam diese Form der Kooperation einen besonderen Stellenwert für die Vorbereitung der Grenzregionen auf die Erweiterung der EU.

Das Land Burgenland hat daher in konsequenter Fortsetzung seiner Politik gemeinsam mit den angrenzenden ungarischen Komitaten die EUREGIO West/Nyugat-Pannonia gegründet, an der sich das Land Burgenland und die ungarischen Komitaten Györ-Moson-Sopron, Vas und Zala beteiligen.

Das Burgenland präsentiert sich in seiner Gesamtheit als eine Grenzregion und ist damit vom Erweiterungsprozess nachhaltig betroffen. Es sind jedoch eine Reihe von Vorbereitungsmaßnahmen nur von allen Bundesländern der Ostregion gemeinsam zu bewältigen, in einigen Bereichen, wie z. Bsp. der Verkehrsinfrastruktur, nur in Abstimmung mit den gesamtösterreichischen Interessen.

Diese enge Zusammenarbeit des Burgenlandes mit seinen Nachbarn Wien und Niederösterreich hat schon langjährige Tradition und findet in laufenden Konsultationen der Landeshauptleute seinen Ausdruck.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission vom 7. April 2000, mit der das Ziel 1 - Programm Burgenland für die Programmplanungsperiode 2000-2006 genehmigt wurde, wird das Burgenland in die Lage versetzt, den eingeschlagenen Weg - nämlich einen zukünftig gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum bestehend aus dem Burgenland und den angrenzenden Regionen der Slowakei, Ungarns und Sloweniens zu gestalten - weiter erfolgreich fortzusetzen.